Kinder gehen in die Abenteuerschule

Pfadfinderlager Raus aus dem Individualismus, rein in das Team heißt es für Schulklassen in Großzerlang.

SCHILLERSDORF/GROßZERLANG Abenteuer + Schule = Abenteuerschule? Geht das so einfach zusammen in der Abenteuerschule, die das Amt für Arbeit mit Kindern und Jugendlichen der evangelisch-lutherischen Landeskirche tatsächlich anbietet? Für die Klassen, die an diesem großen Pfadfinderlager teilnehmen, heißt es: Raus aus dem Individualismus, rein ins Team. Sie müssen da draußen, ohne Ergebnisdruck, alles gemeinsam machen - Versorgen mit allem, was notwendig ist, Feuer machen, Kochen auf offenem Feuer, Leben ohne Strom, erläutert einer der Macher, Tom Ogilvie, Pastor der Schillersdorfer Kirchgemeinde. Und das ist schon Schule - und Abenteuer im (übrigens brandenburgischen) Großzerlang, wo sich die Schulklassen der Jahrgangsstufen 5 und 6 aus ganz Mecklenburg-Vorpommern treffen, vor kurzem aus Burg Stargard, im August dann aus Wesenberg.
1999 gab es die erste Abenteuerschule mit 100 Kindern, in diesem Jahr werden es 600 Mädchen und Jungen sein, die daran teilnehmen. "Die Kirche wollte gern etwas mit den Schulen machen. Nach der Wende fielen viele der Angebote für Kinder und Jugendliche weg, die Schule wurde immer mehr zum Kritikpunkt. Konkreter Anlass war auch das Sterben junger Leute auf der Straße bei den furchtbaren Unfällen", beschreibt Tom Ogilvie den Werdegang der Idee. Aus ihr entstand TEO (Tage ethnischer Orientierung), und die Abenteuerschule ist ein wichtiger Teil von TEO.
Seit 2000 ist die Wasserrettung mit dabei, übernimmt zum Beispiel die Absicherung von Kanutouren oder der Kinder beim Baden, ist auch zuständig für die medizinische Betreuung. Ebenfalls das Engagement der Wasserrettung hat zu Beginn einen traurigen Hintergrund. 1998 ertrank ein Junge in der Röbeler Therme. Die Schulämter und schulen wurden sehr vorsichtig und untersagten Klassenfahrten, wenn es dabei um Baden und Kanufahrten ging und keine Rettungskräfte dabei waren, erinnert sich Tom Ogilvie: "So kamen wir auf die Wasserrettung" und Dr. Matthias Gast von der Wasserrettung ergänzt: "Für uns war das Projekt interessant. Der erste Auftrag lautete: Zwei mal zwei Stunden zur Absicherung von Kanutouren. 80 Kilometer Weg für vier Stunden, heftig!" So heftig wurde es dann aber nicht, denn in Großzerlang trafen sich die richtigen Leute, schätzten beide heute ein. Die von der Wasserrettung bekamen Mittagessen, blieben bis abends, man kam ins Gespräch - und zur guten Kooperation, wie sie heute besteht: Rund um die Uhr inklusive ärztlicher Versorgung.
Hintergrund für die inhaltliche Gestaltung der Gruppengespräche, die Bestandteil der Abenteuerschule sind, ist die biblische Erzählung vom "Verlorenen Sohn". "Es handelt sich um eine Familiengeschichte mit all ihren Facetten. Einen der Söhne zieht es in die Welt; er will sich ausprobieren. Der zweite Sohn wählt einen ganz anderen Weg. So entstehen Konflikte und Spannungen untereinander und mit dem Vater, diese werden thematisiert", erklärt Tom Ogilvie. So können elementare Fragen und Probleme der Kinder dieser Altersgruppe zur Sprache kommen.